Augspurg-Heymann-Preis 2015 an Manuela Kay und Gudrun Fertig verliehen

Augspurg-Heymann-Preis 2015 an Manuela Kay und Gudrun Fertig verliehen

Der Preis für couragierte Lesben geht an Berliner Verlegerinnenduo

Um Medienpräsenz von und journalistische Verantwortung für Lesben ging es bei der siebenten Verleihung des Augspurg-Heymann-Preises für couragierte lesbische Vorbildfrauen am 14. Juni 2015. Vor rund 140 Gästen verlieh die Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW die Auszeichnung im Bochumer Jahrhunderthaus diesmal an gleich zwei Frauen: die kämpferischen, unternehmerisch durchsetzungsfähigen Verlegerinnen Manuela Kay und Gudrun Fertig aus Berlin.

Die Preisträgerinnen, die seit den späten 1980er-Jahren engagiert in den LSBT*-Medien arbeiten, haben 2012 mit ihrem Verlag Special Media SDL außer Berlins auflagenstärkstem Stadtmagazin Siegessäule auch Deutschlands zurzeit einziges bundesweit verkauftes Magazin für Lesben L-MAG als Geschäftsführerinnen übernommen. Damit haben sie rund 15.000 Leserinnen eine wichtige Plattform und Informationsquelle gesichert.

„Unermüdlich setzen sich beide nicht nur für die journalistischen Inhalte ein, sondern überzeugen mit der Qualität ihrer Produkte einen größer werdenden Stamm Werbekund_innen von der Relevanz der LSBT*-Zielgruppe. Mit ihrer Arbeit und mit Herzblut, auch weit über den Verlag hinaus, engagieren sich Gudrun Fertig und Manuela Kay für Power und Sichtbarkeit von Lesben.“ So begründet die Jury ihre Wahl.

Die beiden Preisträgerinnen wurden in Bochum begeistert gefeiert. In der Laudatio hoben die Unternehmerinnen Birgit Unger und Cornelia Sperling die Bandbreite und Einzigartigkeit ihres journalistischen Engagements hervor: „Sie bilden mit L-MAG ein eigenes lesbisches Genre journalistisch heraus und generationenübergreifend vor. … Sie ermutigen die jüngeren Lesben, sich auf die Suche zu begeben nach ihrer Identität, ihren Themen und ihrer Zukunft. Und sie zeigen auf, in welcher Vielfalt und mit wie viel Lebensfreude Lesbisch-Sein gelebt wird.“ Die Laudatorinnen hoben besonders die umfassende Reichweite der SDL-Verlagsprodukte für Lesben hervor: „Baby-Dykes, Karriere-Lesben, Lesben in der Midlife-Crisis, Gender-Studentinnen, Landlesben, lesbische Omas … Ihr ermöglicht mit L-MAG den Austausch zwischen all diesen Gruppen und Generationen!“ Die Sicherung einer Öffentlichkeit für Lesben bezeichneten sie als „überlebenswichtig“ angesichts der aktuellen politischen Lage vor allem in anderen Ländern, aber auch in einem Deutschland, das homophoben Stimmen wieder mehr Raum gebe.

Gudrun Fertig freute sich besonders über Parallelen zu den Namensgeberinnen des Preises, die sie selbst als Vorbilder betrachtet. Anfang des 20. Jahrhunderts kämpfte das Paar Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann nicht nur kompromisslos und ungeachtet der eigenen Sicherheit für Frauenrechte, sondern gab von 1919-1933 auch das Magazin Die Frau im Staat heraus – „eine weitere Gemeinsamkeit“. Weit über etwas hinaus, das „mit der Bezeichnung sexuelle Orientierung nur höchst unzureichend beschrieben ist“, bietet Fertig, so sagte sie, heute mit ihren Magazinen „einen ganzen Blick auf die Welt, der anders auf Gesellschaft, Identität, Geschlechterrollen schaut“.

Manuela Kay positionierte sich ausdrücklich als „radikale Feministin“ und sprach sich – angesichts der viel diskutierten Öffnung der Ehe für alle – für mehr mediale Themen aus, bei denen wir uns „sichtbar und kämpferisch als Frauen und Lesben“ positionieren könnten – das sei „wichtiger als das kleine private Glück“.

(Foto: D. Dettmann)

Bilder der Preisverleihung 2015 (Elke Vahle)
http://evahle.zenfolio.com/ahp2015