„CouLe“-Preis für couragierte Lesben verliehen an Soziologin Constance Ohms

„CouLe“-Preis für couragierte Lesben verliehen an Soziologin Constance Ohms

Am 10. Juni 2018 wurde in Bochum der Preis für couragierte Lesben der LAG Lesben in NRW an die Soziologin und Aktivistin Dr. Constance Ohms verliehen. Sie setzt sich mit ihrem Lebenswerk gegen Gewalt in lesbischen und queeren Beziehungen ein.

Preisträgerin 2018: Constance Ohms

Mit der diesjährigen Verleihung knüpfe die Jury an das „allgegenwärtige Gegenankämpfen der Jahre nach 1968“ an, so Moderatorin Dr. Ann Marie Krewer. In der Community habe es viele Jahre der Auseinandersetzung erfordert, „um mit Ambivalenzen zu leben und schließlich auch sich selbst als Teil der Gewaltverhältnisse zu erkennen.“ Für diese Leistung, insbesondere die Enttabuisierung lesbischer Gewalt, war Constance Ohms Arbeit maßgeblich. Angela Siebold vom Paritätischen Wohlfahrtsverband erinnerte an die alltägliche Gewalt gegen Frauen: Jede dritte Frau hat einmal Gewalt erfahren. Mit diesem Wissen speziell lesbische Gewalt zu benennen und sich – lange Zeit als Einzige – für diejenigen stark zu machen, die solche Gewalt erleben mussten, „erforderte Courage“. Die Journalistin Monika Mengel schlug den histori­schen Bogen zur den Zeiten der Frauenbewegung, in denen mit „teils brachialen Mitteln“ alles daran gesetzt wurde, „uns als handelndes Subjekt zu sehen – auch erotisch –, um nicht Opfer zu sein.“ Lesen Sie hier den ganzen Vortrag (als PDF).

Mit dem Tabu lesbischer Täterschaft und dem hehren Ideal lesbischer Schutzräume brach die Preisträgerin 1993 in ihrem ersten und weithin wirksamen Buch Mehr als das Herz gebrochen – Gewalt in lesbischen Beziehungen. Seitdem kann sie mit ihrer publizistischen und beratenden Tätigkeit zum Thema Gewalt in lesbischen und queeren Beziehungen als bahnbrechende Pionierin und als eine der wenigen Expertinnen auf diesem Gebiet gelten. „Mit beharrlicher Aufklärungsarbeit hat sie das Schweigen gebrochen“, heißt es in der Begründung der Jury, „und sich der Vereinfachung komplexer Dynamiken widersetzt“. Aus ihrer einzelnen Initiative entstand nach und nach ein weitgefächertes Netzwerk für die Unterstützung der von häuslicher Gewalt Betroffenen. Heute leitet Dr. Constance Ohms die Fachberatungsstelle gewaltfreileben in Frankfurt am Main.

Laudatorin Almut Dietrich sprach von der „Neugier, dem Engagement und dem großen Mut“, den Constance Ohms aufbrachte, indem sie gegen Ignoranz und Abwehr innerhalb der eigenen Community vorging. Sie erinnerte daran, wie „nachhaltig und unbeirrt“ Ohms das Tabu hinterfragte und hob ihren wesentlichen Einfluss auf die fachliche Arbeit zu diesem Thema hervor: „Ohne sie gäbe es kaum deutschsprachige Bücher zum Thema.“ Lesen Sie hier die gesamte Laudatio (als PDF).

Die Schöpferin der CouLe-Skulptur aus Metall Regine Rostalski war selbst dabei, als diese an die aktuelle Preisträgerin übergeben wurde.

Constance Ohms erklärte, dass sich seit den Anfängen ihrer Arbeit viel zum Guten und zu mehr praktischer Hilfe hin verändert habe. Sichtlich bewegt sprach sie von „Türen in den Wänden, gegen die ich jahrelang gerannt bin“. Sie zeigte sich „sehr berührt durch die Wertschätzung und Anerkennung“, beharrte aber darauf, auch ihren Mitstreiterinnen und Weggefährtinnen gebührenden Beifall zu zollen – was mit Standing Ovations gefeiert wurde.

Auf dem Foto von links nach rechts: Monika Mengel, Dr. Ute Zimmermann, Angela Siebold, Karolin Jacobs und Constanze Alpen, Dorothee Mülder, Dr. Constance Ohms, Almut Dietrich, Dr. Ann Marie Krewer, Gabriele Bischoff, Şefik_a Gümüș und Inge Landmann

Fotos: Elke Vahle

Weitere Auskünfte erteilt:
Gabriele Bischoff, Landesgeschäftsstelle Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in Nordrhein-Westfalen e.V., Sonnenstraße 14, 40227 Düsseldorf, Tel.: 0211 / 6910530, E-Mail: info@lesben-nrw.de