Themen

 

Am Kongresstag wollen wir uns u.a. folgenden Themen widmen:

Hengameh Yaghoobifarah: Identitäten und Lookismus
Egal ob in dominanzgesellschaftlichen oder alternativen Gemeinschaften: Wo Identitätspolitik betrieben wird, gelten auch aussehensbezogene Normen. Queere Räume sind vor solchen Zuschreibungen nicht sicher. Während queere Codes Sichtbarkeit und ästhetischen Widerstand erzeugen können, schaffen sie auch Ausschlüsse. Wer ist von ihnen betroffen? Was sind die Konsequenzen? Welche Diskriminierungsformen werden dabei reproduziert? Ein Vortrag über Lookismus in lesbischen_queeren Kontexten.

Das Thema Identitäten wird uns den ganzen Tag begleiten: wir stellen eine Fotobox auf, in der Teilnehmer_innen Fotos von sich und den Freund_innen machen können. Von den Fotografierten wünschen wir uns Statements zu ihren individuellen, Wir- oder Kollektiv-, früheren oder aktuellen oder gar fließenden Identität_en. Die Fotografien und Statements sollen die Vielfalt – oder auch Einfalt? – der Kongressteilnehmenden abbilden und zum Nachdenken darüber anregen. Unterstützung holen wir uns hier bei dem Verein FLiP e.V., der verschiedene Lesben-Klischees auf Stellwände projiziert hat, in deren Aussparungen jede_r den eigenen Kopf stecken kann. Außerdem stellt uns der LSVD NRW Magnetwände zum individuellen Zusammenstellen der verschiedenen Community-Typen* zur Verfügung.

Ines Nadrowski: Lesbische Beziehungen
Wenn von lesbischen Beziehungen die Rede ist, wird, wie bei der Identität “Lesbe”, oftmals ganz unterschiedliches erwartet: die einen sehen innige Freundinnenschaften und Frauennetzwerke, die anderen eine “feministisch-revolutionäre Minimalzelle”, und manche eine stinknormale Ehe, nur eben zwischen Frauen. Viele Mythen ranken sich um das Thema, wie z.B. der Umzugswagen beim 2. Date oder der lesbische Bettentod. In einem kurzen Inputreferat erzähle ich etwas zu den verschiedenen Sichtweisen auf lesbische Beziehungen und würze dies mit dem Forschungsstand zum Thema. Danach, im größten Teil des Workshops, geht es um eure Sichtweisen und Erfahrungen, die in einer angeleiteten Diskussion ausgetauscht werden können. Wie sind/waren eure Beziehungen und wie sind/waren eure Vorstellungen und Vorbilder dazu?
Da meine Definition von lesbischen Beziehungen neben Cis-Lesben auch Bi-, Pan- und Asexuelle sowie queer-liebende Cis- und Transfrauen, Transmänner und nicht-binäre Menschen mit einbeziehen möchte, sind alle diese herzlich eingeladen.

Michaela Herbertz-Floßdorf: Kinderfrei, kinderlos, Kinderwunsch und Wunschkind – lesbische Identitäten und Familiengründung
Kinder, Kinder… Der Umgang mit dem Thema „lesbisches Leben und Familiengründung“ hat sich in den letzten Jahrzehnten lesbischer Geschichte stark verändert. Die Frage nach Kindern und Familiengründung macht zum Teil einen Generationsunterschied in der lesbischen Welt deutlich, der auch herausfordernde Themen berührt. Wieviel Tabu steckt in der Thematik? Sind lesbische Regenbogenfamilie heteronormativ? Wie vertragen sich die Identitätsanteile „Lesbe“ und „Mutter“? Wie beeinflussen lesbische Mütter unsere Gesellschaft? Wie beeinflussen lesbische Mütter die lesbische Community?
Diesen Fragen möchte ich nach einem Input gerne im Austausch nachgehen.

Gesa Weinand: Lesbische Frauen im Arbeitsleben – doppelte Diskriminierung oder doppelter Vorteil?
…oder stimmt vielleicht beides? Die Diskriminierung aufgrund der Diversity-Dimensionen „Sexuelle Orientierung/Identität“ und „Geschlecht“ ist häufiger Forschungsgegenstand, aber was ist mit den Vorteilen, die lesbische Frauen in die Arbeitswelt einbringen? In zukünftigen Entwicklungen wie demografischer Wandel, Komplexität von Veränderungen sowie Arbeit 4.0 liegen nach meiner These viele Chancen, aus einem „doppelten Minus“ ein „doppeltes Plus“ zu machen – nutzen wir sie! Ich freue mich, nach einem kurzen Input, auf eine rege Diskussion.

Stephanie Weber: She’s the man*
Wie wäre es, für einen Tag ein Mann zu sein? Wie fühlt es sich an, die eigenen Geschlechtergrenzen zu überschreiten oder gar Geschlechterrollen zu tauschen? Welcher Unterschied in der Wahrnehmung von außen ist spürbar und welchen Effekt hat er? She’s the man* – Bart kleben oder malen, Brüste abbinden, Kleidung sowie Bewegungsstil verändern und damit in der Öffentlichkeit unterwegs sein: Das Spiel mit den Klischees kann Verwunderung auslösen. Wir gehen den Motivationen von Teilnehmer_innen von Drag-Workshops nach, setzen uns mit ihren Erfahrungen auseinander und hinterfragen bei dieser Gelegenheit die binäre Geschlechterordnung.

Ursula Neumann Lernen aus Erfolgen und Misserfolgen
Erfolge genauso wie Misserfolge bieten die Chance für Neues. Aus beiden können wir für kommende Projekte etwas lernen. Der Workshop bietet engagierten Lesben einen Einstieg, den Faktoren nachzugehen, die lesbische Projekte mehr oder weniger erfolgreich machen. Nach welchen Kriterien bemessen wir überhaupt Erfolge und Misserfolge? Wo liegen eventuelle Gründe oder Ursachen dafür? In den anderthalb Stunden arbeiten wir gemeinsam und praxisorientiert an euren konkreten lesbischen Projekten.

Lepa Mlađenović und Ulrike Janz: Searching our lesbian nests (Auf der Suche nach unseren “lesbischen Nestern”)
„Nest“ means a place we feel at home surrounded by ours. ‘Ours’ meaning feminist lesbians that never before existed in the history.
In a text about womenlovingwomen in the 80s and 90s in Jugoslawia, Lepa says: “During the wartime and after My lesbian nest became the solidarity of my lesbian diaspora”. “Diaspora” naming that no lesbian-feminist in any of that countries could really be at home – especially during the war, and also meaning our lesbian feminist friends are scattered in other countries. This talk will be about these times, but also about lesbians in south-east-european balkan today: Where are the lesbian nests today?

„Nest“ meint einen Ort, an dem wir uns zu Hause fühlen und umgeben von denen, die zu uns gehören. „Die, die zu uns gehören“ meint hier lesbische Feministinnen, die es nie zuvor in der Geschichte gegeben hatte. Lepa schreibt in einem Text über frauenliebende Frauen der 80er und 90er Jahren im damaligen Jugoslawien und den Nachfolgestaaten: „Mein Nest wurde die Solidarität innerhalb der lesbischen Diaspora“. „Diaspora“ deshalb, weil eigentlich keine feministische Lesbe in welchem Land auch immer wirklich zu Hause sein konnte. Und das galt umso mehr während der Zeit des Krieges. Über diese Zeit, aber auch über die Gegenwart der Lesben in den südosteuropäischen Balkanländern wird es in diesem Gespräch gehen. Welche „lesbischen Nester“ gibt es dort heute?

Lepa Mlađenović: Desire and politics of lesbian solidarity – Sharing our caring with lesbians different then us (Politik der lesbischen Solidarität und Sehnsucht nach lesbischer Solidarität – inspirierender Aktivismus jenseits von Unterschieden)

The workshop is meant to involve participants:

  • To discuss different aspects of what is a lesbian solidarity
  • To give space to examples of lesbian solidarity across borders of states and across different multiple discriminated groups of non heterosexual women considering class, race, nationality, cultural/ethnic  differences, migration, dis/ability

Der Workshop will verschiedene Aspekte von lesbischer Solidarität hinterfragen, Beispiele zu internationaler lesbischer Solidarität und zu lesbischer Solidarität quer durch mehrfach diskriminierte Gruppen (Klassenunterschiede,kulturelle/ethnische Unterschiede, Migration, Behinderung) nicht heterosexueller Frauen aufzeigen sowie Ideen entwickeln, weltweit Kontakte zu Lesben und lesbischen Organisationen zu pflegen. Der Workshop ist in Englisch mit deutscher Übersetzung.

Dr. Rita Schäfer, Uta Schwenke, Cornelia Sperling: Lesben in Afrika
Im Zeichen der Globalisierung möchten wir uns mit der Bedeutung lesbischer Vernetzung über Landesgrenzen hinaus beschäftigen. Auch spielen aktuelle Ausgrenzungs-Strömungen eine Rolle, über die wir unter Berücksichtigung der politischen Grundsätze für die Arbeit von Lesbengruppen diskutieren möchten. Konzentrieren wir uns auf lesbische Einzigartigkeit oder verbinden wir uns mit anderen, die gegen Ausgrenzung arbeiten?

NEU Annalena Müller: Erfahrungen in der (ehrenamtlichen) Arbeit mit Geflüchteten – Austausch
Queer und auf der Flucht. Als besonders schutzbedürftige Gruppe werden LSBTTI* Geflüchtete eingestuft. Ihnen gilt es besonders schnell Hilfe, Unterstüzung und vor allem Schutzraum zu bieten. Nach über einem Jahr gesammelten Erfahrungen in der (ehrenamtlichen) Arbeit mit Geflüchteten lassen sich erste Beobachtungen zusammenfassen und diskutieren. In einem Gespräch berichtet Annalena Müller über die Arbeit mit LSBTTI* Menschen auf der Flucht.

Es geht hierbei um Fragen wie: Wo können sich die Hilfesuchenden Unterstützung holen? Wie funktioniert die Hilfe? Wer sind die Helfenden und was erleben sie im Alltag? Es soll auch diskutiert werden, welcher Spiegel uns als Gesellschaft vorgehalten wird, wenn die Erfahrung von Diskriminierung und Verfolgung in Deutschland kein Ende nimmt. Denn wie durch ein Brennglas zeigt sich in der Arbeit mit LSBTTI* Geflüchteten wie unsere eigenen Vorurteile und die der Gesellschaft aussehen.

 

Wollt Ihr darüber hinaus mit anderen Engagierten ins Gespräch kommen? Unser Kongress ist auch für jenes Anliegen da.


 

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