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Im September 1996 hat sich die Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW gegründet. Doch schon vor der Gründung hat es Lesbenbewegungen gegeben, die allerdings seit Beginn der neuen sozialen Bewegungen Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre gespalten gewesen sind. Nämlich in die, die mit den Feministinnen für mehr Rechte für die Frauen kämpften und denen, die mit den Schwulen für mehr Rechte für die Homosexuellen kämpften. Ob nun mit den Feministinnen oder mit den Schwulen: es konnte ihnen passieren, dass sie als Lesben nicht wahrgenommen wurden: Ihr seid doch auch Frauen, oder? – hieß es, wenn sie bei den Frauenplakaten und -veranstaltungen gefälligst mitgenannt werden wollten. Und die Schwulen wussten lange nicht, wie man “lesbisch” denn nun buchstabiert: Lesbierin, Lesbe, weibliche Schwule, oder was? Und warum wollen die eigentlich eigene Diskussionsplenen haben oder gar Räume, wo auch die Schwulen nicht reinkommen sollten?

Lesbenpolitik ist Gesellschaftspolitik

Lesben sind keine besonderen Menschen, schon gar nicht sind sie die besseren Menschen. Es wird immer wieder angenommen, Lesben würden dies annehmen und deshalb Extraprogramme haben wollen. Lesben haben sich schon immer engagiert, für Frauenrechte, für Menschen- und Tierrechte hier und anderswo, für die sexuelle Emanzipation, für Umweltschutz, für eine soziale Gesellschaft. Dass lesbische Frauen für ihre Rechte als Lesben streiten ist verhältnismäßig neu. Wenn die Gesellschaft Frauen und Männer endlich gleich behandelt, dann behandelt sie auch heterosexuelle und homosexuelle Menschen gleich. Insofern war und ist eine Politik für Lesben immer auch aktuelle Gesellschaftspolitik und daher eine Querschnittsaufgabe moderner Parteien und Regierungen.

Es geht um nicht weniger als die Veränderung der Geschlechterverhältnisse. Dazu müssen sich Politik und Gesellschaft verändern. Hierfür geht die LAG Lesben in NRW e.V. in den Dialog mit Vertreter_innen aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik. Die LAG Lesben in NRW e.V. fordert, dass vermeintlich männlich-heterosexuelle Lebens- und Arbeitsnormen nicht als Maß aller Dinge gesetzt werden, es gilt ein Menschenbild zu kreieren, das alle umfasst. Die LAG Lesben in NRW e.V. fordert, dass Menschen eine echte Wahlfreiheit für ihr Lebensmodell haben.

Keine „Heilung“

Es geht als um nicht weniger als um Teilhabe an einem weitgehend selbst bestimmten Leben für Frauen und Männer, für Lesben und Schwule. Deshalb spricht sich die LAG Lesben in NRW auch gegen jegliche Art der Förderung, Unterstützung oder Ermöglichung von Angeboten aus, die davon ausgehen, dass Homosexualität der „Heilung“ bedürfe. 1992 wurde Homosexualität aus dem international gültigen Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation ICD 10 gestrichen. Damit ist die Frage, ob Homosexualität der „Heilung“ bedürfe, längst eindeutig mit einem klaren NEIN beantwortet. Anerkannte Sachverständige aus Psychiatrie und Psychologie, aus Sexualwissenschaft und Pädagogik sind sich in diesem Punkt weltweit einig, ebenso wie darin, dass sogenannte „Therapien“ zwecks „Umpolung“ zur Heterosexualität den Menschen nicht helfen, sondern im Gegenteil psychisch und physisch schaden und sie ernsthaft gefährden.

Für uns Homosexuelle stellen solche Veranstaltungen und Seminare, die den von uns als natürliche Facette menschlicher Identität gern und glücklich gelebten Lebensmodellen von außen und ungebeten das Recht zur Existenz absprechen, eine inakzeptable Anmaßung und grobe Kränkung dar.

Ignorieren statt Ernstnehmen

Noch etwas: früher war es einfacher, großen Mist zu übersehen. Heute wirst du von allen Seiten darauf aufmerksam gemacht, wenn etwas stinkt. Doch es gibt Programmformate im Netz und TV, die sollte frau möglichst ignorieren. Manchmal, wenn so ganz kleine Wichte besonders stinkenden BullShit in der hinterletzten Ecke ablegen, hilft Ignoranz ganz gut. Oder da hinschauen, wo es größere Schäbigkeiten gibt, gegen die frau konkrete Widerstandsmittel hat.

Nicht jeder Gegner ist es wert, ihm den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Oft ist vermeintlich Ernstgemeintes leider nur eine schlechte Satire.